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SOS - Sicherheit ohne Stalking

Mordprozess in Leipzig

19.07.2022

Im Juli 2022 fand in Leipzig ein Mordprozess statt. Der Angeklagte Markus W. und Dorin lernten sich über eine Dating-App kennen und nur 5 Monate später erwürgte er sie mit seinen bloßen Händen in ihrer Wohnung. Diese brutalte Tat gestand der Mörder am ersten Prozesstag unter Tränen, während er am ganzen Körper zitterte. Unsere Gründerin und Inhaberin Sandra Cegla ist davon jedoch wenig beeindruckt. „Das sind echte Emotionen. Aber er weint nicht um sie. Er weint um sich selbst.“

Was war geschehen? Die beiden lernten sich kennen, hatten wenige Dates, unterhielten eine flüchtige sexuelle Beziehung. Für sie war schnell klar: Eine feste Partnerschaft will sie mit ihm nicht. Nach wenigen Treffen, bei denen auch ihre Freundinnen Markus W. kennenlernten, erklärte sie ihm, dass über eine flüchtige Beziehung nichts weiter entstehen werde – und ließ den Kontakt ausschleichen. Was sie nicht wußte: Dies war ihr Todesurteil.

„Wir saßen nächtelang zusammen auf dem Balkon. Aber er konnte sich noch nicht einmal auf das Gespräch mit mir konzentrieren. Er starrte wie besessen auf sein Handy, konnte nicht verstehen, dass sie nicht antwortete. Sah im Sekundentakt auf ihren Whatsapp-Status, ob sie online war. Er war wirklich besessen von ihr. Als die Polizei bei mir geklingelt hat, wusste ich, dass was Schlimmes passiert ist.“ berichtete seine Nachbarin im Zeugenstand bei Gericht.

Dorin ahnte nicht, wie sehr er mittlerweile in der Obsession gefangen war, und ließ sich auf eine vermeintlich letzte Aussprache ein, bei der es eigentlich nichts mehr zu besprechen gab. Er besuchte sie in ihrer Wohnung und gestand ihr erneut seine Liebe. Als sie ihm offenbarte, dass sie sich in einen anderen Mann verliebt hat, mit dem sie sich eine Zukunft wünscht, verlor Markus W. die Fassung. Er schlug sie zu Boden und stürzte sich auf sie. Mit bloßen Händen würgte er sie so lange, bis das Leben aus ihr gewichen war.

Die Freundinnen von Dorin, die alle als Zeuginnen geladen waren, beschrieben sie als freundliche, lebensfrohe und aufgeschlossene Frau, die eine große Lücke hinterlässt. Markus W. wurde zu einer lebenslangen Haft verurteilt.

Wir sind in aufrichtiger Anteilnahme in Gedanken bei den Angehörigen und Hinterbliebenen von Dorin.

Gleichzeitig hat dieser Fall für uns das Bewusstsein geschärft, dass der Zusammenhang zwischen Stalking und Tötung doch größer zu sein scheint, als uns aktuell in Deutschland bewusst ist. Jeden 2. – 3. Tag wird in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres Mannes oder Exmannes getötet. In wie vielen Fällen es zuvor Stalking gegeben hat, wissen wir nicht, weil diese Zahlen nicht erhoben werden. Im Fall Dorin hat es zweifelsohne kriminalpsychologisch Stalking gegeben, polizeilich war es aber nicht angezeigt.

Wir finden, diese Zahlen müssen dringend erhoben werden, auch wenn es keine Anzeige gab, damit wir eine Grundlage für polizeiliche und politische Konzepte für die Stalking-Intervention Deutschlands erstellen können.